[Rezension] Shanghai Strassenküchen

Ihr seht, ich setze meinen Vorsatz, mehr Rezensionen zu schreiben und vor allen Dingen auch strukturierter zu bloggen direkt in die Tat um. Daher habe ich den Rezensions-Sonntag wiederbelebt und stelle euch heute “Shanghai Strassenküchen“* vom AT-Verlag vor.

Cover Shanghai StrassenküchenCopyright: AT-Verlag

Erster Eindruck

Gut liegt es in der Hand, eher breit als hoch ist es und hat ein Hardcover. Es kommt ohne Schutzeinband daher und hat ein Lesebändchen. Der Einband ist unspektakulär matt und lässt sich gut anfassen. Man kann es prima auf der Couch lesen und es bleibt auch aufgeschlagen liegen, wenn man in der Küche damit arbeitet oder ein Rezept abfotografieren will, um es auf dem Tablet mit in die Küche zu nehmen. Durch das dicke matte Papier kann man gut darin blättern. Fühlt sich wertig an – gefällt mir!

Schauen wir mal ins Buch

Liebevoll gemacht, das sind die ersten Worte, die mir dazu einfallen. Die Seiten sind nicht reinweiss, sondern zart mit chinesischen Ornamenten und unterschiedlichen blassen Hintergründen verziert. Jedes Kapitel hat dabei seine eigene pastellige Farbe. Ausgestattet mit vielen Bildern der vorgestellten Gerichte und der Menschen, die diese Speisen Tag für Tag an ihren Strassenständen zubereiten.

Die Autorinnen holen den Leser zu Anfang ab mit einer sehr schönen Erklärung, was eine Stadt ausmacht. Darauf folgt eine kleine Gebrauchsanweisung für das Buch, wo wir etwas über die Strassenküchen im allgemeinen, Vorurteile gegenüber der chinesischen Küche, Hygiene, die Lage der Shanghaier Strassenküchen, Personenanzahl pro Gericht und die Zutaten erfahren.

Danach geht’s los mit den liebevollen Porträts einzelner Strassenküchen und ihrer Betreiber sowie einem oder mehreren Rezepten, die in den einzelnen Küchen zubereitet werden. So erfahren wir etwas über Xu Xia, die Baozi und die köstlichen chinesischen Tee-Eier verkauft, oder wir lernen Cai Ruolin kennen, der Stinketofu verkauft.

Und das genau ist für mich die Stärke dieses Kochbuchs – schöne atmosphärische Bilder von Shanghais Strassenküchen mit packenden Vorstellungen der Menschen, die sie betreiben. Ich wäre am liebsten sofort nach Shanghai geflogen und hätte diese Garküchen ge- und besucht.

Dazu findet man ein Rezepteverzeichnis mit den chinesischen Namen der Gerichte sowie eins mit den deutschen Namen. Ausserdem Karten mit den Herkunftsorten der Strassenküchen-Betreiber und die Lage der Strassenküchen beim Besuch der Autorinnen, heute kann das schon wieder ganz anders sein ;-) Desweiteren erfährt man Details über die Autorinnen.

Und wie sind die Rezepte?

Jedes Rezept hat mindestens ein Bild vom Gericht oder der Zubereitung. Ausserdem findet man den chinesischen Namen des Rezepts sowie den deutschen Namen. Da hätte ich mir etwas mehr Sorgfalt gewünscht, denn meist schreiben die Autorinnen den chinesischen Namen in einem Wort, was zu zumindest für mich zu Irritationen führt. Leider wird keine Personenanzahl für die Rezeptmenge angegeben, das wird zwar in der Gebrauchsanweisung erklärt, schade finde ich es aber trotzdem.

Dafür sind die Zutaten für die Rezepte meist einfach zu beschaffen. Man hat wert darauf gelegt, dass die Leser die meisten Zutaten im gut sortierten Supermarkt bekommt, was in wenigen Fällen zu mangelnder Authentiziät führt, wie z.B. beim Mapo Doufu mit Sambal Oelek und Tomatenmark.

Nun ja, das ist meckern auf hohem Niveau, weil man mit diesem Kochbuch doch einen grossen Schatz an chinesischem Fast Food aus vielen Regionen erhält sowie Rezepte, die sich oft gut nachkochen lassen und einen guten Eindruck der Garküchen zeigen.

Es finden sich Rezepte für vegetarische und vegane Gericht sowie Fleischspeisen. Eine Kennzeichnung der fleischlosen Rezepte wäre schön gewesen.

Mein Exemplar ist gut gespickt mit Klebezetteln, gerne würd ich noch unter anderem “chinesische Hamburger”, Jiaozi, You Tiao, würzigfrische Lammsuppe aus Uigurien, süss und salzig gefüllte Fladen und Eierkuchen zubereiten

Das habe ich schon daraus gekocht:

Da ich mich oft fleischlos ernähre, waren es bisher nur vegetarische und vegane Gerichte, die ich nach Rezepten aus dem Kochbuch zubereitet habe.

Chinesisches Rührei mit Tomaten - Xi Hong Shi Chao Ji Dan

Chinesisches Rührei mit Tomaten und dem komplizierten Namen Xi Hong Shi Chao Ji Dan – fluffiges Rührei mit Reiswein und süssen Tomaten, sehr lecker und eine schöne Abwechslung zu europäischem und indischem Rührei, die öfter auf meinen Tisch kommen. Das Rezept habe ich morgen für dich.

Cong You Bing, Frühlingszwiebel-Pfannkuchen

Cong You Bing, Frühlingszwiebel-Pfannkuchen – das Rezept musste ich allerdings mehrmals lesen, um die Zubereitung zu verstehen, dann war es aber ganz einfach. Wirklich köstlich sind die chinesischen Pfannkuchen. Die wird es jetzt öfter geben als kleinen Snack, denn man kann sie auch prima nochmal aufwärmen, indem sie erneut in der Pfanne kurz brät.

Chaye Dan, die bekannten marmorierten Tee-Eier

Chaye Dan, die bekannten marmorierten Tee-Eier – toll, wirklich lecker und überraschend im Aroma. Auch dieses Rezept begeisterte mich und bereichert sicher noch öfter meinen Speiseplan.

Chao Mian, gebratene Nudeln

Chao Mian, gebratene Nudeln mit Ei und Pak Choi - da ich keinen Pak Choi bekam, habe ich Mangold verwendet. Ich habe ein bisschen an den Mengen geschraubt, weil es mir nach dem Rezept im Buch etwas aromatisch flach erschien. Gerne stelle ich euch mein Rezept dazu nächste Woche vor.

Tinas Resümee

Das Wichtigste zuerst: 5 von 6 Tina-Punkten!

Ganz einfach, weil es ein wunderbares und liebevoll gestaltetes Kochbuch ist und jeder auch Rezepte für sich darin findet. Man erfährt viel über Strassenküchen und die Menschen, die sie betreiben. Die Rezepte sind für Anfänger in der chinesischen Küche aufgrund der wenigen exotischen Zutaten gut nachkochbar und die Profis freuen sich über eine Auswahl an Gerichten, die nicht in jedem chinesischen Kochbuch stehen. Aber Vorsicht, auch du wirst sofort in den Flieger steigen und an den Garküchen Shanghais entlangschlendern und dort essen wollen!

Und sonst?

Shanghai Strassenküchen (bei Amazon kaufen*)
Julia Dautel, Nicole Keller

ISBN: 978-3-03800-716-6
Einband: Gebunden
Umfang: 142 Seiten
Gewicht: 780 g
Format: 25 cm x 26 cm

24,90 €

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Info – Das Kochbuch wurde mir kosten- und bedingungslos vom AT Verlag zur Verfügung gestellt. Ich gebe hier meinen unbeeinflussten persönlichen Eindruck wieder.

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[indisch] Mangalorean Chicken Curry

Ein südindisches Hühnercurry auf einfache Art

Oft suche ich extra für euch indische Rezepte heraus, die ihr einfach nachkochen könnt, weil sie ohne allzu viele Gewürze auskommen und sich auch einfach zubereiten lassen. Diesmal wurde ich wieder bei Pushpesh Pant (Kochbuch auf englisch* und auf deutsch*) fündig und möchte euch nun das köstlich-cremige Hühnercurry aus der südindischen Stadt Mangalore mit ein paar Tricks vorstellen.

[indisch] Mangalorean Chicken Curry

5 Tricks und “Abkürzungen” zum Mangalorean Chicken Curry

Das cremige und pikante Chicken Curry bringt eine feine Kokosnote mit und lässt sich ganz einfach zubereiten. Falls du keinen Zugriff auf frische Kokosnuss in guter Qualität – so wie ich – hast oder dir ein paar Gewürze fehlen, kannst du die Zubereitung so auf dich anpassen:

  1. Ersetze die frische Kokosnuss durch in Wasser eingeweichte Kokosraspeln. Bei der Menge für 2 Personen nehme ich 2 EL Kokosraspel und vermische sie mit etwas Wasser.
  2. Verwende Currypulver, um Curcuma, Koriandersaat und Bockshornkleesaat zu ersetzen, falls du die Gewürze nicht zur Hand hast. Hier würde ich auf meine Menge 2 TL Currypulver verwenden.
  3. Nimm gemahlenes Chilipulver, wenn du keine getrocknete Chilis im Haus hast. Mengenmässig würde ich hier 1,5 TL Chilipulver empfehlen, je nachdem wie scharf du es magst. Bedenke, dass die Kokosprodukte aufgrund ihres Fettgehalts einiges an Schärfe schlucken. Du darfst also ruhig etwas mutig mit dem Chilipulver sein ;-)
  4. Wenn du die Hähnchenkeulen nicht auslösen magst, verwende Hähnchenbrust, die du in mundgerechte Stücke schneidest. Das habe ich auch getan, weil die Hähnchenbrust grade im Haus war.
  5. Bei akuter Faulheit und falls du eh Curry- und Chilipulver verwendest, brauchst du die Gewürze nicht anrösten. Habe ich auch nicht getan, weil es mir zeitlich nicht passte.

Natürlich schmeckt das Curry dann anders, als Pushpesh Pant es sich gedacht hat, aber das tut es sowieso, weil es auch immer auf die Qualität und Frische der verwendeten Zutaten ankommt und die ist halt in jedem Haushalt – auch in Indien – immer anders. Also fühl dich frei, dein eigenes Mangalorean Chicken Curry zu basteln ;-)

Das Gericht wird klassisch südindisch mit Reis gegessen.

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[vegetarisch] Orzo mit Gemüse und Mozzarella aus dem Ofen

Endlich wieder ein Ottolenghi

Das neue Kochbuch von Yotam Ottolenghi bekam ich von einem lieben Freund zum Geburtstag geschenkt. “Plenty more“* heisst es und wurde auch schon auf deutsch übersetzt, da heisst es dann “Vegetarische Köstlichkeiten“*. Er ist seiner Linie treu geblieben – viel meditarrene Aromen, tolle Fotos und Rezepte und das öfteren einen kleinen asiatischen Dreh. Gefällt mir!

Das erste Rezept, das ich daraus kochte, war aber wieder ein mediterranes Gericht mit diesen kleinen Nüdelchen, die wie Reis aussehen. Dazu noch Auberginen, festen Mozzarella und süsse Tomaten und fertig war ein feines Ofengericht. Es schmeckte genau so, wie man es von einem Ottolenghi-Rezept erwartet. Für mich kann man mit seinen Rezepten nichts falsch machen. Man weiss vorher, wohin die Reise geht, wenn man seinen Stil kennt.

[vegetarisch] Orzo mit Gemüse und Mozzarella aus dem Ofen

Ein köstliches Ofengericht

Etwas aufwendig zwar, die Ottolenghianer sind ja sowas gewohnt, aber das Ergebnis belohnt für alle Mühen. Wundervoll aromatisch mit Nüdelchen, Gemüse und zerflossenem Mozzarella schmeckt die Speise nach Mittelmeer und Sonne.

Die Auberginen werden vorab in reichlich Olivenöl gebraten, ähnlich die weiteren Gemüse, bevor man sie mit den ebenfalls angebratenen Nudeln, Mozzarella, Gewürzen, Kräutern und der Brühe zusammenfügt und in eine Ofenform gibt. Dann noch die Tomaten – es müssen schon aromatische, vollreife Tomaten sein, denn davon lebt das Gericht – obendrauf und ab in den Ofen. Endlich Pause! ;-)

Den festen Mozzarella gibt’s als Rollen im gut sortierten Supermarkt. Er eignet sich auch gut zum Reiben für Pizzakäse. Hier wird er verwendet, damit er im Gericht nicht komplett zerfliesst. So findet man in der fertigen Speise noch weiche Stücke davon, die feine Fäden ziehen.

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[indisch] Methi Paneer Pasanda – Paneer mit Bockshornklee

Paneer geht immer

Bockshornklee eigentlich auch ;-) Ich mag dieses würzige, leicht herbe Kraut einfach wahnsinnig gerne, auch die Samen begeistern mich immer wieder. Angeröstet und im Curry ziehen gelassen, verlieren sie ihre Härte und bringen beim Daraufbeissen kleine Geschmacksexplosionen mit. Aber hier geht’s ums Kraut – getrocknet schmeckt es übrigens etwas anders als in frischer Form, einfach würziger mit einem umwerfenden Duft. Kasuri Methi, wie das getrocknete Kraut heisst, wird eher zum würzen verwendet, man kann damit aber notfalls auch das frische Gemüse ersetzen. Nur sollte man dann wesentlich weniger nehmen. In frischer Form wird kommt der Bockshornklee wie Spinat oder andere Blattgemüse reichlich ins Curry. Du kannst ihn aus Bockshornkleesamen einfach selber ziehen oder kaufst ihn tiefgekühlt im indischen Laden.

Ich gestehe, dass ich meist zu bequem bin, Paneer selbst zu machen, obwohl es so einfach ist. Daher kaufe ich ihn auch im indischen Geschäft und nutze oft die Gelegenheit, mich mit neuen Gewürzen und anderem Krams einzudecken. Man entdeckt in diesen Läden ja immer etwas neues, so geht es mir zumindest. Notfalls kann man den Paneer durch Tofu ersetzen, er kommt dem Paneer geschmacklich und auch von der Konsistenz am nächsten. Allerdings ist das dann nicht mehr wirklich authentisch.

[indisch] Methi Paneer Pasanda - Paneer mit Bockshornklee

Hübsch ist es nicht, aber der Geschmack macht die Optik um Längen wett, wie so oft bei indischen Speisen.

Methi Paneer Pasanda

Da Paneer und Bockshornklee für mich eine sichere Bank sind, ähnlich wie indische Kartoffel- und Erbsengerichte, musste es dieses Rezept aus “Echt Indien vegetarisch“* (meine Rezension findest du dort) einfach sein.

Pasanda ist die Bezeichnung eines Fleischgerichts, das mit Zwiebeln,Tomaten und Milchprodukten oder Kokosmilch geschmort wird. Dazu werden meist pürierte Mandeln zugegeben, die die Sauce schön binden. Hier findest du die vegetarische Variante mit Cashewnüssen und weissen Mohnsamen, die mit Gewürzen zu einer Paste verarbeitet werden.

Das Methi Paneer Pasanda ist ein cremiges und angenehm würziges Curry mit zarten Käsewürfeln. Du kannst dazu Reis, aber auch Naan oder andere indische Fladenbrote essen. Solltest du getrockneten Bockshornklee verwenden, nimm auf jeden Fall weniger und brate ihn nicht an.

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