[Rezension] Echt Indien vegetarisch

Lange habe ich die Rezensionen hier im Blog vernachlässigt. Zum neuen Jahr habe ich mir aber mal selber gepflegt in den Popo getreten und mir ein Kochbuch ausgeguckt, das ich euch als erstes in diesem Jahr vorstellen möchte. Da lag das Thema indisch und vegetarisch ziemlich nahe, weil ich mich doch grösstenteils fleischlos ernähre und indische Küche ja doch dieses Blog geprägt hat. Daher habe ich euch heute “Echt Indien vegetarisch“* von Vidhu Mittal mitgebracht.

Echt Indien vegetarischCopyright: Zabert Sandmann Verlag

Erster Eindruck

Grosse Überraschung beim Auspacken – das Kochbuch sieht auf dem Foto im Netz so unscheinbar aus, so schlicht rot. Aber es hat einen hübschen changierenden Stoffeinband. Ich sofort verliebt in dieses Buch. Es hat keinen Schutzeinband und auch kein Lesebändchen, beides ist aber auch für mich nicht so wichtig. Recht gross ist es, das verwendete Papier wirkt hochwertig und es liegt gut in der Hand. Auch kann man es gut aufgeschlagen liegen lassen. Das finde ich wichtig bei Kochbüchern, denn es ist ärgerlich, wenn ich ein Kochbuch mit in die Küche nehme, um daraus zu kochen, lege es aufgeschlagen hin und muss die Seiten beschweren, damit die Seite mit dem Rezept auch aufgeschlagen bleibt.

Schauen wir mal ins Buch

Aufgeräumt und gut strukturiert sieht es aus, durch die nicht allzu überladenen weissen Seiten mit den hübschen Fotos wirkt es modern und clean, nahezu unindisch. ;-) Die Fotos von den Gerichten kommen ohne Dekoschnickschnack daher, die Teller und Schüsseln wurden freigestellt und wirken für sich. Auch sind die Speisen schön angerichtet und sehen appetitlich aus, was ja grade bei indischen Gerichten nicht ganz so einfach ist. Daran verzweifle ich bei meinen Fotos ja regelmässig.

Man bekommt viel Wissen um die indische Küche angefangen bei den Gewürzen, über typische Zutaten und Küchenutensilien sowie Zubereitungstipps, wie man z.B. Paneer herstellt hinweg.

Schauen wir mal ins Inhaltsverzeichnis:

  • Danksagung
  • Vorwort
  • Im Reich der Gewürze und Aromen
  • Typische Gemüse, Kräuter und Früchte
  • Die Vielfalt der Hülsenfrüchte
  • Nüsse & Trockenfrüchte
  • Küchenutensilien
  • Drinks, Suppen & Salate
  • Snacks & Vorspeisen
  • Hauptgerichte
  • Reis & Brot
  • Beilagen
  • Desserts & Gebäck
  • Zubereitungstipps
  • Glossar
  • Register
  • Menüvorschläge

Schön finde ich die Erklärungen zu den wichtigsten Gewürzen zusätzlich mit den indischen Namen und Fotos, da steht man dann weniger verloren im indischen Supermarkt. Bebildert und erklärt sind auch die Hinweise zu Gemüsen, Kräuter, Früchten, Hülsenfrüchten und Nüssen sowie den Küchenutensilien. Im hinteren Teil findet sich ein für mich etwas zu kurzes Glossar, ausserdem ein Register, das leider nicht noch zusätzlich nach Zutaten sortiert ist. Vier Menue-Tipps schliessen sich an sowie eine Liste mit Online-Bezugsquellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Und wie sind die Rezepte?

Die Rezepte füllen immer eine Seite, manchmal sogar eine Doppelseite. Dazu findet man zu jedem Rezept ein Foto des Gerichts, oft auch Fotos von Zubereitungsschritten. Die Zutatenlisten und Anleitungen sind gut strukturiert. Grösstenteils gibt es kurze Informationen zum Rezept, auch Zubereitungstipps und Hinweise, mit welchen anderen Gerichten diese Speise kombiniert werden kann.Die Rezepte lassen sich gut nachkochen, weder ich noch meine Kochtreffen-Teilnehmer hatten Probleme mit Formulierungen.

Gut finde ich die Angabe des indischen Namens der Rezepte, das macht die Rezepte für mich recherchierbar. Ich suche nämlich gerne in Netz nach Varianten oder auch der Herkunft einer Speise. Das kann man mit z.B. “Gelber Zitronenreis” nicht, mit Namkeen Nimbu Chawal aber schon.

Auch findet man bei jedem Rezept eine Angabe der Personenanzahl, für die dieses Gericht gekocht werden kann, die auch meist passt. Wertvoll sind die bebilderten Zubereitungstipps. So findet man unter anderem Erklärungen zum Backen von Süsskartoffeln, Garen von Hülsenfrüchten im Schnellkochtopf, frischen Würzpasten und – ganz wichtig für die indische Küche – dem Anrösten von Gewürzen und der Herstellung von Paneer.

Das Kochbuch wurde von mir schon reichlich mit Klebezetteln versehen, viele Rezepte habe ich schon ausprobiert, entweder alleine oder mit meinen Kochtreffen-Gästen. Aber so einige wollen noch gekocht werden, wie z.B. Bohnen-Nudel-Salat, Kichererbsen-Kebabs, Paneer mit Erdnuss-Chutney, Gemüse-Sandwiches, Pilztopf mit Minze, Erbsen-Käse-Auflauf, Korianderreis mit Paneer, Ajowan-Puri, Cheesecake mit Zitrone.

Wie man an der Auswahl sehen kann, sind die Rezepte von Vidhu Mittal sehr modern und bedienen sich auch bei anderen Länderküchen. Nach einem ersten Stutzen über Salate und Aufläufe, auch dass das ein oder andere mal eine Bechamel angefertigt wird, finde ich das gar nicht so schlimm, sondern eher als ein Zeichen der Weiterentwicklung. Im Kochbuch finden sich natürlich auch traditionelle Rezepte, die ich sehr schätze.

Das habe ich schon daraus gekocht:

Jede Menge habe ich schon gekocht und zuviel, um die Gerichte alle aufzuzählen. Schaut am besten unter dem Stichwort Vidhu Mittal nach, was euch erwartet. Hier nur eine kurze Aufzählung der für mich schönsten nachgekochten Rezepte:

Angoori Rabadi – Feiner Frucht-Nuss-Pudding – fein cremig, nicht zu süss und gesund durch Nüsse und Früchte

Chatpate Baingan – gebratene Auberginentaler – die Taler haben selbst Auberginenmuffel überzeugt, würzig und einfach herzustellen

Cheesy Gobi Bake – Blumenkohlgratin – ein eher westlich orientiertes Rezept, aber nicht minder köstlich

Und morgen erwartet dich ein weiteres Rezept aus dem Kochbuch.

Tinas Resümee

Mit um die 20 nachgekochten Gerichten und vielen Klebezetteln an Rezepten, die ich noch kochen will, bleibt mir nichts anderes übrig als dem Buch meine volle Punktzahl zu geben - 6 von 6 Tina-Punkten.

Die modernen wie auch die traditionellen Rezepte gefallen mir gut und lassen sich gut nachkochen. Vidhu Mittals Ansatz, nicht zu scharf und gewürzüberladen zu kochen, mag ich auch. Das überfordert auch Anfänger der indischen Küche nicht zu sehr. Allerdings würde ich dieses Kochbuch keinem Anfänger empfehlen, der sich nicht auf die Küche einlassen will. Denn natürlich muss man auch hier Gewürze und Zutaten einkaufen, die man in einer deutschen Küche so nicht findet, allerdings ist die Menge überschaubar. Für jemanden, der “mal indisch kochen will”, gibt’s sicher bessere Bücher.

Aufgrund der vielen bebilderten Anleitungen und Zubereitungs- sowie Kombinationstipps ist es geeignet für Neugierige und Anfänger, die gerne in fremde Küchen hineinschnuppern und sich nach dem Blättern im Buch aufmachen in den nächsten indischen Supermarkt.

Für die anderen mit reichlich Erfahrung im indischen Kochen und wahrscheinlich zig indischen Kochbüchern im Schrank ist dieses Kochbuch eine echte Ergänzung zu den Standardwerken von Pushpesh Pant, Anjum Anand und anderen, gerade weil es die modernere indische Küche zeigt mit ihren Einflüssen aus anderen Ländern.

Allerdings finde ich den Namen “Echt Indien vegetarisch” etwas unglücklich, denn das beschreibt wohl eher die traditionelle indisch-vegetarische Küche, wie sie wohl in den meisten Familien auch noch gekocht wird. Aber das ist wohl ziemlich der einzige Kritikpunkt, den ich für mich finde.

Und sonst?

Vidhu Mittal
Echt Indien vegetarisch
(bei Amazon kaufen*)
Über Vidhu Mittal (Copyright: Zabert-Sandmann-Verlag)
Vidhu Mittal lebt im indischen Bangalore und ist eine versierte Kennerin der Küche ihrer Heimat. Seit mehr als 15 Jahren veranstaltet sie Kochkurse und schreibt Beiträge für Zeitschriften und Websites. Vidhu Mittal, selbst Vegetarierin, hat für ihr Kochbuch eine breit gefächerte Palette an Rezepten kreiert: Dafür hat sie traditionelle Gerichte ihrer Heimat aufgegriffen und sie modernisiert und »verschlankt«. Anregungen für ihre Rezepte sammelt Vidhu Mittal, die einen Universitätsabschluss in Hauswirtschaftslehre und ein Diplom als Modedesignerin hat, bei Reisen durch alle indischen Regionen.

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: ZS Verlag Zabert Sandmann GmbH; Auflage: 1 (14. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3898834315
Größe: 23,2 x 2,7 x 28,4 cm

29,95 €

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Info – Das Kochbuch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Zabert-Sandmann-Verlag zur Verfügung gestellt. Ich gebe hier meinen unbeeinflussten persönlichen Eindruck wieder.

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* Affiliatelink

[griechisch] Geschmortes Lamm mit grünen Bohnen und Tomaten

Es war einmal ein Schmor-DAU…

Manmanman, was habe ich mich lange Zeit dämlich angestellt. Als ich mit Anfang 20 plötzlich für mich und meinen damaligen Partner kochen musste, habe ich Braten und co wirklich nicht hinbekommen. An den Stücken konnte man sich die Zähne ausbeissen. Rouladen und Gulasch gingen grade so, aber alles andere versemmelte ich gnadenlos. Ich hatte von nix eine Ahnung und verwendete die beliebten Fix-Tütchen, weil ich es nicht besser wusste. Etwas besser wurde es, als ich den Bratschlauch entdeckte. Darin bereitete ich immer einen Schinkenbraten zu, den ich fertig mariniert im Supermarkt kaufte. Das war ganz ok aus meiner damaligen Sicht.

Richtig zu kochen lernte ich aber erst mit “dem Mann”, aber Geschmortes wollte immer noch nicht so recht gelingen, so dass ich es einfach sein ließ. Erst in den letzten Jahren nähere ich mich einem guten Ergebnis. Einerseits natürlich, weil ich besseres Fleisch verwende als damals und keine Fix-Tütchen mehr im Hause Foodina wohnen. Andererseits liegt es sicher auch an mehr Erfahrung und Wissen über das Schmoren. So wagte ich mich in diesem Winter schon mehrfach an Schmorgerichte und bin schier begeistert über die Ergebnisse. Toll war das italienische Gericht mit geschmortem Rindfleisch, Sardellen und Salsiccia, das ich Weihnachten auf den Tisch brachte. Ähnlich begeisternd war auch dieses geschmorte Lammfleisch auf griechische Art, das ich heute für euch habe.

[griechisch] Geschmortes Lamm mit grünen Bohnen und Tomaten

Geschmortes Lamm mit griechischen Aromen, Bohnen und Kartoffeln

Gefunden habe ich das Rezept in “Smashing Plates: Greek Flavors Redefined“* von Maria Elia, einer wahren Fundgrube moderner griechischer Rezepte und Zubereitungen. Das Lammfleisch wird in Brühe und Tomaten mit Zimt und Lorbeer geschmort, bevor die Kartoffeln und grünen Bohnen zugegeben und mit in dem Sud gekocht werden. Aber vorher muss man es mit einem Gemisch aus Zitronenzesten, Knoblauch und Salz einreiben und ihm etwas Ruhe zum marinieren geben. Ich habe dafür ein Stück obere Lammkeule beim Moschee-Metzger erworben, dort bekomme ich einfach das beste Lammfleisch. Ein Stück Lammschulter hätte ich auch genommen, aber die Menge passte wunderbar, so dass es die Keule wurde. Zuhause hat der Mann das Fleisch von der Keule gelöst und in grobe Stücke geteilt. Aus der Fettdecke haben wir Griebenschmalz hergestellt. Ich bin sehr gespannt, wie das schmeckt. Der Test steht noch aus, weil ich erkältungsbedingt noch nicht wirklich viel schmecke. Der Knochen mit den für’s Schmoren unbrauchbaren Fleischabschnitten wurde ein köstlicher Lammfond. Auf jeden Fall wurde das Lammfleisch herrlich zart und liess sich mit der Gabel nahezu zerdrücken.

Ein wunderbares Schmorgericht voller griechischer Aromen, man fühlt sich wie im Urlaub. Am besten serviert man es mit ein paar Stücken rustikalem Weissbrot, um den ungebundenen und reichlichen Sud aufzustippen. Am nächsten Tag schmeckt das Schmorlamm übrigens noch besser.

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[griechisch] Siriani kaparosalata – Kaperndip

Griechische Vorspeisentradition

Es muss wunderbar sein, mit vielen Menschen an einem Tisch zu sitzen voller köstlicher Kleinigkeiten, den Mezedes. Ähnlich den türkischen Meze und den spanischen Tapas werden kalte und warme Speisen in Schalen und auf Platten aufgefahren bis sich der Tisch nahezu biegt. Jeder kann einen Klecks hier, ein Häppchen dort probieren und alle haben Spass, lachen und unterhalten sich. Irgendwann lade ich mir mal soviele Leute ein, dass es sich lohnt, so viele köstliche Gerichte auf den Tisch zu bringen.

Diesmal waren wir nur zu viert, daher reichte ich als Vorspeise diese Riesenbohnen, in etwas griechischem Olivenöl geröstete Baguettescheiben mit Knoblauch und diesen Kaperndip nach einem Rezept aus “Vefa’s Kitchen“*. Beim Hauptgang, den ich euch in den nächsten Tagen vorstellen werde, blieben die Mezedes auf dem Tisch stehen, so dass sich jeder davon noch bedienen konnte.

[griechisch] Siriani kaparosalata - Kaperndip

Wandelbarer Kaperndip

Einfach und schnell hergestellt ist diese fein salzige Kaperncreme und passt wunderbar zu geröstetem, rustikalem Weissbrot. Aber auch als vegetarischen Brotaufstrich kann ich mir die Paste gut vorstellen. Besonders lecker ist der Dip als Pesto-Ersatz auf Nudeln, vielleicht mit streifig geschnittenen Zucchini oder anderem mediterranem Gemüse.
Er hält sich auch ein paar Tage im Kühlschrank ohne Qualitätsverlust.

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[griechisch] Gigantes me pastourma – Riesenbohnen mit Rinderschinken

Einweichen von Hülsenfrüchten verpennen? Kann ich!

Das habe ich am Wochenende wieder bewiesen. Den ganzen Freitag habe ich daran gedacht, abends auch noch beim Essen zum Mann gesagt: “Ich muss gleich noch die Riesenbohnen für morgen einweichen!” Aber wie das so ist, habe ich das nach dem Abendbrot vor lauter Fressnarkose wieder verdasselt. Und zwar richtig! Samstagmorgen liege ich noch dösend im Bett, keine Lust aufzustehen, weil’s einfach zu dunkel und usselig war, sinnierend darüber, was für die Gäste heute abend noch erledigt werden muss. Und mit einem Schlag war ich hellwach und zackig aus dem Bett.

Nuja, ist noch gut gegangen. Die Riesenbohnen für die Meze durften dann statt über Nacht ganze 5 Stunden einweichen und ein bisschen länger als angegeben kochen. Zum Glück habe ich recht früh am Nachmittag mit der Zubereitung begonnen, sodass die Riesenbohnen mit dem köstlichen griechischen Rinderschinken passgenau fertig waren, als die Gäste klingelten. Schwein gehabt!

[griechisch] Gigantes me pastourma - Riesenbohnen mit Rinderschinken

Riesenbohnen mit Tomaten und Pastourma

Diese grossen weissen Bohnen in Tomatensauce kennt man ja vom griechischen Restaurant. Ich glaube nicht, dass die meisten Restaurants diese Speise selber machen. Wahrscheinlich kauft man sie in grossen Dosen beim griechischen Gastrohändler. Natürlich wollte ich sie selber machen und fand ein feines Rezept in “Vefa’s Kitchen“*, für mich die Bibel der griechischen Küche. Vefa verfeinert die Gigantes mit Pastourma, einem luftgetrockneten, gewürzten Rinderschinken, der wunderbar würzig schmeckt. Man kann statt dessen auch Pastrami, Bündnerfleisch oder Bresaola verwenden. Ich hatte Glück, Pastourma in einem griechischen Lebensmittelgeschäft gefunden und natürlich gerne verwendet.

Die würzig-tomatigen Riesenbohnen sind eine Bereicherung für jede Vorspeisen-Platte oder auch einen Tisch voller griechischer Mezedes. Nur würde ich beim nächsten Mal eher die Hälfte der von Vefa vorgesehenen Menge für 6 Personen machen, denn ich hatte noch reichlich über für Doggybags und eigenes Restessen.

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